St. Sebastianus Schützenbruderschaft

Früheste Geschichte der Bruderschaft

Die St. Sebastianus Schützenbruderschaft kann auf eine mehr als 500-jährige Tradition zurückblicken, da sie geschichtlich 1458 mit der Bruderschaft Hamm zum ersten Mal erwähnt wird. Aus dieser Zeit sind die ersten Mitgliedernamen erhalten. Es fehlt zwar ein Gründungsprotokoll und jede schriftliche Unterlage für das genaue Alter; nur eine im Jahre 1552 entstandene Abschrift ist erhalten geblieben. Aber das Gründungsjahr braucht nicht angezweifelt zu werden.

Manche in moderner Zeit entstandenen Schützenvereine dienen anscheinend in erster Linie dem Vergnügen und daneben der Ausbildung in der Schießfertigkeit; die Mitglieder der Hammer Bruderschaft waren wirklich, dem eigentlichen Sinn des Wortes "Schützen" entsprechend, Beschützer von Weib und Kind, Haus und Hof, Heimatort und Feldflur!

Die Hammer sahen durch räubernde Söldner ihre Existenz bedroht und werden wohl eine Bürgerwhr zu gegenseitigem Schutz gegründet haben, was in dem Worte "Bruder", wie die Mitglieder dieser Wehr sich nannten, ersichtlich ist. Gemäß damaligem Brauche stellte sich die Bruderschaft unter den Schutz eines Heiligen und in diesem Falle unter den hl. Sebastianus. Die Mitglieder dieser Bruderschaft kamen jährlich einmal zusammen, um Abrechnung zu halten über eingegangene Beiträge, sich im Schießen zu üben usw. Für diesen freiwilligen Waffendienst bekamen die Hammer von der Stadtverwaltung in Düsseldorf, deren Bürgermeister gleichzeitig die Aufsicht über die Bruderschaft führte, einen jährlichen Geldzuschuss, wie aus einem Protokoll im Bruderbuch aus dem Jahr 1590 hervorgeht.

In desem Bruderbuch finden wir als ersten Namen gleich einen Mitbürger aus Volmerswerth: Junker Rütger auf dem Weedt (Volmerswerth). Dieser Junker war Rutger von Eller und nicht Rutger Ingenhoven, wie gelegentlich angenommen.

Die Pfarrer waren immer Mitglieder der St. Sebastianus Bruderschaft. Wie eng die Verbindung zwischen Geistlichkeit und Bruderschaft war, kann man daraus ersehen, dass sogar Rev. Henricus Bücher, Pastor auf dem Wehrt, Mitglied war und seinen Beitrag bezahlte.

Ablauf eines Schützenfestes im 15. Jahrhundert

Das Bruderfest fand alljährlich auf Sakramentitag statt, also Ende Mai. Morgens nach dem Hochamt zog dann mit Trommelschlag alles zur Stange, wo der Schützenkönig des vergangenen Jahres mit seinen Brudermeistern den Schützen den "Vogel präsentierte", der dann auf eine Stange gesetzt wurde, die mit Stricken auf einem Baum befestigt wurde. Dann wurden von den Schützen zwei achtbare Mitglieder ausgewählt, die für ein Jahr die Geschäfte der Bruderschaft führen mussten, die darin bestanden, dass sie Ein- und Ausgaben verwalteten und eine List der Mitglieder führten. Diese neugewählten "Brudermeister" erhielten in Gegenwart aller Schützen von den alten Brudermeistern die Kasse übergeben, in der aber meistens große Ebbe war. Im Jahr 1624 war die Kasse derart leer, dass man dem Wirt die Kosten für ein Harst (=Käse), 6 Pfund Schweinefleisch, ein Paschwerk (=Weißbrot) und 3 halbe Brote (Schwarzbrot) bis zum folgenden Jahre schuldig blieb.

Nach erfolgter Abrechnung ging es dann zum Wirt, wo das Schützengelage anfing, das aus der Kasse von den Beiträgen und Strafgeldern bezahlt wurde. Jeder Schütze war verpflichtet, an dem Gelage teilzunehmen. Für Ordnung und Ruhe mussten die Brudermeister mit dem Schützenknechte sorgen. Aber trotzdem wird es wohl häufiger zu einer angeregten Stimmung gekommen sein, wie dies ja unter Schützenbrüdern üblich ist.

Während des Essens und Trinkens wurde dann mit Pfeil und Bogen nach dem Vogel geschossen. Hatte nun ein Schütze das Glück, dass er den Vogel von der Stange schießen konnte, so nahm er den Vogel und präsentierte ihn den Brüdern, worauf der unter lautem Jubel zu ihrem neuen König für ein Jahr erklärt wurde.

Außer persönlicher Ehrung waren mit der Würde des Schützenkönigs auch wirtschaftliche Vorteile verbunden.So war er von allen öffentlichen Wegearbeiten befreit. Dafür musste der den Brüdern 1 1/2 Ohm Bier zum besten geben. [Ein Ohm entsprach zwischen 134 und 174,75 Litern.] Dieses Quantum wurde dann im Jahre 1641 auf 4 Ohm erhöht, wozu noch 2 Viertel Wein kamen, die er den Schützen dafür spendierte, dass sie ihn abends nach Hause begleiteten.

Die Arbeitsvergünstigung für den Schützenkönig wurde anno 1660 noch durch den sogenannten "Freibrief" erhöht. In diesem Freibrief, der vom ehrbaren Rat der Stadt Düsseldorf ausgestellt war, wurde dem Schützenkönig für ein ganzes Jahr Steuer- und Lastenfreiheit zugesichert, wofür er wiederum den Schützen 2 Ohm Bier spendieren musste.

Bei all diesen Vorteilen hatte der jeweilige Schützenkönig nur eine größere Ausgabe, nämlich die Verpflichtung, der Bruderschaft ein in "Ehren bestehen könnendes Kleinodt", eine Erinnerungstafel, zu stiften.

Wenn der Schützenkönig im Zug mitging, so trug er einen großen schweren Silberschmuck, der aus einer Reihe einzelner Silberplatten bestand. Auf diesen Silberplatten stand nur der Name und das Jahr, in welchem der Stifter den Vogel abgeschossen und die Königswürde errungen hatte.

Der Vorstand bestand ganz früh nur aus den Brudermeistern, die "unter der Stange" gewählt wurden, ferner dem Hauptmann, den Leutnants und dem Fähnrich. Infolge des steten Geldmangels wurden diese Stellen später meistbietend für 1 bis 3 Jahre vergeben. Der Hauptmann, dessen Rang heute unserem Oberst entspricht, hatte in den Jahren 1500 bis 1650 gleichzeitig die Stelle als Gemeindevorsteher inne und musste im Verein mit dem Pfarrer im Auftrag der Verwaltung auch die Waffen beaufsichtigen.

Die St. Sebastianus Bruderschaft hatte dadurch, dass fast alle Männer und auch Frauen Mitglieder waren, einen großen Einfluss auf die Erhaltung und auch die Einführung schöner Ortsgebräuche. Da ist vor allem das Verhalten beim Tod eines Mitbruders zu erwähnen. Zunächst sagten die Verwandten den Tod in der "Nachbarschaft" an, ein Brauch, der heute noch besteht. Die Mitglieder der Bruderschaft wurden vom Schützenknecht benachrichtigt, der gleichzeitig den Tag des Begräbnisses ansagte. Die Totenwache wurde von den Nachbarn abwechselnd gehalten, die auch den Sarg zum Friedhof trugen. Jedes Mitglied war bei Strafe verpflichtet, seinem verstorbenen Mitbruder die letzte Ehre zu erweisen und ihn zum Grabe zu begleiten, "wie von alters her bräuchlich gewesen", heißt es schon anno 1657.

Dass die St.-Sebastianus-Brüder sich rege am kirchlichen Leben beteiligten, ist klar. In der Kirche hatten sie sogar eine eigene Statue ihres hl. Patrons, die bei Prozessionen von den Mitgliedern getragen wurde. Bei öffentlichen Prozessionen begleiteten die Brüder bewaffnet das Allerheiligste, ein Brauch, der sich allerorts, wo sich eine Bruderschaft befindet, bis auf den heutigen Tag erhalten hat.

Die Bruderschaft stand in großem Ansehen und es galt als Schande, wenn ein Bürger ihr nicht angehören konnte. So kam es, dass Mitglieder ihr Zuweisungen an Geld und Gut machten.

Auch ins wirtschaftliche Leben griff die Bruderschaft dadurch ein, dass sie an notleidende Mitglieder Kapitalien auslieh.

Einen starken Einfluss hatte die Bruderschaft von jeher auf das Familienleben der Einwohner ausgeübt. Hier war die Bruderschaft das bindende Glied, da kaum einer von den "Auswärtigen" versäumte, an den Tagen des Schützenfestes wieder in seine alte Heimat zurückzukommen. Dadurch wurden die Tage des Schützenfestes zu einem einzigen großen Familienfest.

Gründung der Bruderschaft Volmerswerth im Jahre 1924

Es ist anzunehmen, dass die spärliche Entwicklung der Einwohnerzahl Volmerswerths als Hauptursache für die späte Entstehung der Volmerswerther Bruderschaft anzusehen ist. Vor dem Gründungsjahr feierte man bereits zu Pfingsten eine Frühkirmes und am 2. Wochenende im Oktober eine Spätkirmes. Es gab schon Pagen und auch Schützen. Bereits im Jahre 1883 wurden Stimmen laut, und es wurde als ein Bedürfnis angesehen, die Spätkirmes volkstümlicher zu gestalten. Wie auch in anderen Gemeinden sollte dies durch Gründung eines Schützenvereines und Abhalten eines Schützenfestes erreicht werden. Aus nicht bekannten Gründen wurde diese Überlegung aber nicht umgesetzt. Auch durch den Krieg 1914-1918 war jede Schützentätigkeit durch das Kaiserreich bzw. die Siegermächte bis 1921 verboten.

1924 - Der Zeitpunkt war gekommen. Ende Oktober wurde duch Johann Peter Theisen eine Dorfversammlung einberufen, in der über die Vorbereitung auf das Kirchweihfest 1925 folgendes beschlossen wurde:

1. Es sollen mehrere Kompanien gegründet werden.

2. Es wurde folgender Hauptvorstand gewählt:

Johann Peter Theisen (Präsident)
Heinrich Baum (Kassierer)
Ludwig Weiland (Schriftführer)
Mathhias Kapell (Beisitzer)
Peter Reingen (Beisitzer)

Außerdem als:
Oberst Johann Dietz
1. Adjutant Heinrich Giffler
2. Adjutant Wilhelm Keup

3. Jede Kompanie führt pro Mitglied und Monat 0,50 M Beitrag an den Hauptkassenführer ab.

4. Die Königswürde können nur Einheimische über 21 Jahren erwerben, während das Pfänderschießen allen Einheimischen ohne Altersgrenze gestattet ist.

Inzwischen wurden die Kompanien gegründet:

1. Jägerkompanie, Hauptmann H. Aders
2. Grenadierkompanie, Hauptmann W. Theisen
3. Gardeschützen, Hauptmann J. Daniels
4. Reiterverein, Hauptmann H. Zimmer
5. Freiwilligen Kompanie, Hauptmann J. Klepgen

Dies ist der vollständige Wortlaut über die Gründung der Schützenbruderschaft in Volmerswerth. In den Unterlagen ist weder der Versammlungsort, das genaue Datum, noch die Uhrzeit angegeben. Ein kurzes spärliches Protokoll mit großer Bedeutung für unsere Gemeinde.

Es ist verständlich, dass dieses Protokoll mit wenig Inhalten weiteren Handlungsbedarf nötig machte, um zusätzliche Bestimmungen festzulegen. Alleine im Jahre 1925 wurden hierfür 9 Hauptversammlungen als notwendig angesehen.

... Fortsetzung und Bebilderung (soweit möglich) folgt! ...


bhv-volmerswerth.de