Entwicklung der Friedhöfe in Düsseldorf

Wer über die Friedhöfe unserer Stadt geht, kann es sehen: leere Grabstellen, ungepflegte Grabstätten zwischen liebevoll gepflegten Gräbern. Was ist da los?

Die Bestattungskultur verändert sich tiefgreifend. Waren vor einigen Jahrzehnten noch sogenannte Familiengrabstätten üblich, lassen sich heutzutage immer weniger Leute in Wahlgräbern bestatten. Wahlgrabstätten sind zu teuer, zu pflegeintensiv, das will man den Hinterbliebenen nicht zumuten. Und so wählt man ein Urnengrab oder ein Tiefengrab oder sogar eine (halb-)anonyme Bestattung.

Die Bestattungskultur ändert sich.

Sind vor 20 Jahren nur etwas mehr als 20 Prozent der Verstorbenen eingeäschert worden, so sind es heute fast die Hälfte. Und unsere Gesellschaft ist mobiler geworden. Die Angehörigen leben nicht mehr in der Nähe, vielleicht weil es im Umfeld preiswertere Wohnungen gibt oder in einer anderen Großstadt einen besseren Arbeitsplatz oder weil der Ehepartner aus einer anderen Gegend stammt. Vielleicht gibt es auch gar keine Angehörigen mehr?

Aus diesem Grund werden auch immer weniger Gräber nach Ablauf der Ruhezeit verlängert. Aber auch die Zahl der Bestattungen sinkt. So ist sie in Düsseldorf in den letzten 20 Jahren um fast 30 Prozent gesunken und die Stadt Düsseldorf geht davon aus, dass im Jahr 2035 die jetzt vorhandene Bestattungsfläche den Bedarf um mindestens 30 bis 34 Prozent übersteigt.

Im Moment sind auf den kommunalen Friedhöfen mehr als 40.000 Wahlgrabstätten nicht mehr belegt, das sind circa 30 Prozent auf jedem einzelnen Friedhof.

Wer pflegt die freien Flächen?

Dieser nicht belegte Raum muss von der Friedhofsverwaltung gepflegt werden. Das gestaltet sich jedoch als extrem arbeitsaufwendig, da es sich ja nicht um zusammenhängende Flächen handelt, sondern hier eine Grabstelle leer ist und dort. Und es ist klar, dass das nur über noch weiter steigende Friedhofsgebühren finanziert werden kann.

Wenn es zusammenhängende Freiflächen gäbe, könnten diese schön angelegt und rationeller gepflegt werden und auch die Infrastruktur vereinfacht werden. Man bräuchte weniger Wege, Müll- und Wasseranlagen.

Es wird also ein Konzept benötigt, auf unseren städtischen Friedhöfen zusammenhängende Freiflächen zu bekommen und die Grabanlagen zu konzentrieren. Das geht nicht kurzfristig, denn auf keinen Fall sollen Tote umgebettet werden. Und da die Ruhefrist bis zu 30 Jahre beträgt, müssen jetzt schon Pläne erarbeitet werden, wie die Friedhöfe 2035 aussehen sollen.

Wie soll es weitergehen?

Für jeden einzelnen Friedhof in unserem Stadtgebiet wurden von der Verwaltung Pläne und Vorlagen für die Beratungen im Ratsausschuss für öffentliche Einrichtungen erarbeitet. Nach diesen Vorlagen wird zum Beispiel der Nordfriedhof um über 40 Prozent verkleinert. Für die beiden Friedhöfe in unserem Gemeindegebiet, Südfriedhof und Stoffeler Friedhof, haben wir hier die Pläne.

Entwicklung des Südfriedhofs
Entwicklungsperspektiven und Zielkonzept Südfriedhof


Entwicklung des Friedhofs Stoffeln
Entwicklungsperspektiven und Zielkonzept Friedhof Stoffeln


Es ist keine leichte Entscheidung für die Mitglieder der Ausschüsse und des Rates der Stadt Düsseldorf und deshalb wird auch schon seit 2006 beraten. In allen Gesprächen, die wir mit Ratsmitgliedern, Mitgliedern des Ausschusses für öffentliche Einrichtungen und Mitarbeitern des Garten-, Friedhofs- und Forstamtes geführt haben, wurde deutlich, wie sehr allen Beteiligten bewusst ist, dass die Gefühle der Hinterbliebenen betroffen sind, wenn es heißt: In dreißig Jahren gibt es das Grab deiner Familie nicht mehr.

Deshalb besteht Einigkeit darüber, dass auf jeden Fall alle 13 städtischen Friedhöfe erhalten bleiben und auch die Ruhefristen der einzelnen Grabstätten eingehalten werden. Es soll also keine Umbettungen geben und erst recht keine »Zwangsumbettungen«.

Aber auf den Flächen, auf denen es nach den Plänen in 30 bis 35 Jahren keine Grabstellen mehr geben wird, sollen keine neuen Bestattungen mehr stattfinden: Bestattungen soll es nur noch in den Gebieten geben, die auch nach 2035 dazu vorgesehen sind.

Der parkähnliche Charakter unserer kommunalen Friedhöfe soll jedoch erhalten bleiben: Die frei werdenden Flächen werden in Parks umgewandelt. Im Gespräch sind auch Panorama-, Garten- oder Memoriumfriedhöfe, wobei die Begriffe noch nicht hinreichend geklärt sind. Das Gelände – auch die frei werdenden Flächen – soll in städtischem Besitz bleiben und es sollen auf gar keinen Fall dort, wo einmal ein Toter bestattet wurde, Häuser gebaut werden.

Besondere Situation auf dem Südfriedhof

Über die Verkleinerung des Südfriedhofs wird noch sehr intensiv diskutiert, liegen doch in dem betroffenen Bereich viele gut gepflegte Familiengräber der Bürger aus Flehe und Volmerswerth. Der Bürger- und Heimatverein Düsseldorf- Volmerswerth setzt sich für einen möglichst weitgehenden Erhalt des Südfriedhofs ein.

© Theo Hilger

Lesetipp: Übersicht über die Grabarten in Düsseldorf


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