Chronik der Aktionsgemeinschaft Düsseldorfer Heimat- und Bürgervereine (AGD)

In den Jahren des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg war bei den Politikern der Rat gestandener Düsseldorfer Bürgerinnen und Bürger bei Fragen des Wiederaufbaus gefragt. 1951 regte der Düsseldorfer Oberbürgermeister und Landtagspräsident Josef Gockeln an, eine Dachorganisation aller Düsseldorfer Vereine zu gründen, die er von Zeit zu Zeit zur Beratung zu sich ins Rathaus rufen wollte. Schon bald fand sich die „Vaterstädtische Arbeitsgemeinschaft Düsseldorf“ (VAGD), der damals auch die Düsseldorfer Schützen und Karnevalisten angehörten, zusammen. Seit ihrem Bestehen verstand sich die VAGD als erste Düsseldorfer Bürgerinitiative.

In den Jahren des Wiederaufbaus setzte sich die VAGD für die Erhaltung und die Restaurierung historisch und kulturgeschichtlich bedeutender Bauten ein und verlangte bei der Verbreitung von Straßen den Schutz dort gepflanzter Bäume.

Die Politiker legten großen Wert auf die Meinung der Bürgergesellschaften, in denen sich viele renommierte Düsseldorfer aus allen Stadtteilen engagierten. Auch kam es auf Anregung der Dachorganisation zu zahlreichen Neugründungen von Bürger- und Kulturvereinen.

Im Januar 1961 konnten 10.000 Düsseldorfer Bürger mobilisiert werden, die für den Erhalt des Hofgartens demonstrierten. Für den Bau des Jan-Wellem-Platzes und einer Hochstraße sollte ein Teil dieser Anlage geopfert werden. Das Engagement der VAGD für den Hofgarten brachte ihr eine außergewöhnliche Beachtung, sodass zum 10-jährigen Bestehen bereits 36 Vereine mit 18.000 Mitgliedern ihr angehörten.

Die VAGD nahm auch zu anderen Problemen Stellung: Ausbau des Ausstellungsgeländes an der Fischerstraße, Neubau des Finanzministeriums, Erhaltung des Hofgärtnerhauses, Benennung der Parallelstraße (Berliner Allee), Zukunft des Ananasberges, Bau der Oper, Neugestaltung und Nutzung von Schloss Jägerhof, Ehrenhain Kaiserswerth, Erhaltung der geschlossenen Häuserzeile der Ratinger Straße, Nutzung des Spee´schen Palais und vieles andere.

Neben der Stadtplanung galt das Interesse selbstverständlich auch den Problemen der Kultur und der Integration von Flüchtlingen. 1958 beteiligte sich die VAGD an der Festwoche anlässlich des 300. Geburtstages des Kurfürsten Johann Wilhelm. Mit der Organisation von Treffen aus den Ostgebieten stammender Mitbürger bemühte sie sich um deren Integration.

Mit dem Ende des Wiederaufbaus der Stadt lockerten sich die Bindungen zu den Schützen- und Karnevalsvereinen. Die unterschiedlichen Aufgaben von Brauchtums- und Bürgervereinen führten zu neuen Vereinsstrukturen, sodass es 1973 zu einer Neuorganisation des Dachverbandes der Bürgergesellschaften kam.

65 Jahre Dachorganisation der Heimat- und Bürgervereine 1951 – 1972
65 Jahre Dachorganisation der Heimat- und Bürgervereine 1951 – 1972

Am 14.12.1973 trafen sich einige Vertreter von Düsseldorfer Heimat- und Bürgervereinen, um unter dem Namen „Aktionsgemeinschaft Düsseldorfer Heimat- und Bürgervereine“ (AGD) die gesamtstädtische Bürgerorganisation fortzuführen. Vorher nicht beteiligte Institutionen wie der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, aber auch zahlreiche Kultur-, Förder- und Museumsfreundeskreise schlossen sich an. Mit den „Schloßgeistern“, den „Düsseldorfer Weitern“ und dem Verein Düsseldorfer Künstlerinnen nahmen Organisationen von Frauen aktiv teil.

Die Schaffung des neuen Ressorts für Denkmalpflege und manche größeren Veranstaltungen vermittelten der AGD neue wichtige Impulse. Der Vorschlag zur Translozierung des Carschhauses 1976, die Aktion zur Rettung des Ständehauses, mit dem Vorschlag für einen Landtag am Rhein 1978, die Aktion zur Rettung der Hammer Eisenbahnbrücke 1981 und kritische Stellungnahmen zur kommunalen Neuordnung haben zu einer intensiveren Zusammenarbeit zwischen Rat, Verwaltung und AGD geführt. Die guten Kontakte der AGD zum Landtag waren Voraussetzung für die Umgestaltung des Ständehauses zum Repräsentationsbau des Landes und K21 als Museum für zeitgenössische Kunst.

Die Mitgliedsvereine forderten 1983 die Erhaltung der Denkmäler an der Dammstraße und setzten sich ein für den baldigen Bau der A44 mit einer angemessenen Rheinquerung. Das Plädoyer für die Rückverlegung des Stadtarchivs in die Altstadt und die Aktien zur Festlegung von Wertmaßstäben bei der Aufstellung von Kunstwerken brachten ebenso Bewegung in die Kulturszene wie der Appell nach mehr Heimatgeschichte und Denkmalpflege in den Schulen. Dem Antrag der AGD, die Königsallee als Kunst- und Naturdenkmal in die Denkmalliste einzutragen, wurde 1995 stattgegeben.

Seit 1985 veranstaltet die Aktionsgemeinschaft zusammen mit der Tonhalle das Düsseldorfer Weihnachtssingen. Der große Zuspruch und das große Interesse vieler ausländischer Mitbürger führten dazu, dass das Weihnachtssingen seit den 90er Jahren mit einem Partnerland, dessen Botschafter als Schirmherr eingeladen wird, durchgeführt wird. Bei dem Empfang in der Tonhalle gibt die AGD alljährlich ihr Statement zu wichtigen Fragen der Stadtgestaltung bekannt.

Seit 1986 ehrten wir im Andenken an den Düsseldorfer Komponisten verdiente Bürger mit der Norbert-Burgmüller-Plakette. Die AGD betreut seit 1988 die zur Erinnerung an den früheren Stadtkonservator von dessen Witwe ins Leben gerufene Hans-Maes-Stiftung für Denkmalpflege. Anlässlich ihres 25-jährigen Jubiläums der AGD im Jahre 1998 stifteten die Vereine dem Düsseldorfer Stadtmuseum die Bronzeplastik „La Grande Foglia delle Speranza“ des italienischen Künstlers Mario Rossello. Damit wurde der erste Schritt für die Partnerschaft Düsseldorfs mit einer italienischen Stadt getan. Die Weltoffenheit der Vereine der AGD ermöglichte, dass viele ausländische Mitbürger Mitglied in den Düsseldorfer Vereinen geworden sind, wodurch ein wichtiger Beitrag zur Integration von Neubürgern in die Bürgergesellschaft geleistet wird.

Die Bemühungen zur Einrichtung der Galerie der Kunstakademie förderte die AGD 2000 durch die Schaffung der Medaille „Kurfürstliche Galerie“. Die Silbermedaille, die höchste Auszeichnung der AGD wurde 2000 an Herrn Hans Schwarz in Schloss Benrath, 2002 an Herrn Minister Dr. Michael Vesper im Ständehaus und 2005 an den Rektor des Kunstakademie, Herrn Professor Dr. h. c. Markus Lüpertz im Schloss Jägerhof, verliehen.

2006 gründete die AGD zusammen mit Carlos Quintas die Initiative Düsseldorf-Lisboa. Zunächst galt es, die dynastischen Verflechtungen zwischen dem Hause Pfalz-Neuburg und dem Hause Hohenzollern Sigmaringen mit dem Hause Braganca in Portugal aufzuarbeiten. Zu diesem Zwecke reiste 2008 eine Delegation der AGD nach Portugal, um Kontakte zu dem Freundeskreis „Grupo Amigos de Lisboa“ zu knüpfen. Als Ergebnis dieses Besuches wurde das von den Düsseldorfer am Schloss Jägerhof aufgewachsene portugiesischen Königin Stephanie von Hohenzollern-Sigmaringen gewidmete Kunstalbum als limitiertes Faksimile herausgegeben. In Lissabon wurde im Palacio das Necessidades, dem ehemaligen Wohnsitz der Königin, heute Außenministerium, eine Bronzeplastik des Künstlers Alberto Germán zum Andenken an die Prinzessin aus Düsseldorf aufgestellt.

Im August 2006 eröffnete die AGD, mit Städtebauminister Dr. Michael Vesper, im Stadtmuseum eine Ausstellung „55 Jahre Aktionen der VAGD/AGD - 60 Jahre Land Nordrheinwestfalen Landeshauptstadt Düsseldorf“.

Zum Weltjugendtag hat die AGD eine Sonderausgabe des Buches „Düsseldorfer von Welt“ herausgegeben.

Die AGD, die sich seit Jahren für eine Neuunterbringung des Stadtarchivs eingesetzt hat, wandte sich entschieden gegen die Verlagerung des Hauptstaatsarchivs aus der Landeshauptstadt. Sie plädiert nach Abzug des Hauptstaatsarchivs, heute Landesarchiv NRW, für die Unterbringung des Stadtarchivs zusammen mit anderen öffentlichen und Privatarchiven im Gebäude des früheren Hauptstaatsarchivs an der Mauerstraße.

Die Vereine sind seit Jahren um den Ausbau des Regierungsviertels bemüht und engagieren sich für ein Haus der Geschichte von NRW. Sie lassen nicht ab in ihren Bemühungen um die Einrichtung eines Planungspavillons im Citybereich, um die Bürgerbeteiligung an städtischen Planungsprozessen transparenter zu gestalten. Die AGD bedauert, dass mit dem Abbruch des Tausendfüßlers und der Verlegung des Verkehrs in den Kö-Bogentunnel die Tunnellösung für die den Hofgarten zerschneidende Straßenbahntrasse nicht umgesetzt wird. Sie plädiert dafür nach der verpassten Chance, eines Tunnels für die Nord-Süd-Linien die bei dem Tunnelbau bewährte Umgehung des Hofgartens durch die Straßenbahn im Auge zu behalten.

In der von der AGD herausgegebenen Buchreihe „Düsseldorf – eine Stadt zwischen Tradition und Vision“ sind bisher 12 Bände erschienen. Weitere Bände, davon vier zur Altstadt, werden zum 65-jährigen Jubiläum der Dachorganisation, bzw. zum 70-jährigen Jubiläum des Landes NRW, herausgeben. 2016, im 65. Jahr des Bestehens der Dachorganisation, vereinigt die Aktionsgemeinschaft Düsseldorfer Heimat- und Bürgervereine 57 Bürgergesellschaften mit über 30.000 Mitgliedern. Zum 30. Weihnachtssingen der AGD in der Tonhalle wurde Dr. Edmund Spohr, den der Vorstand zum Ehrenvorsitzenden ernannt hat, nach 41 jähriger Vorstandstätigkeit in den Heimatvereinen, davon 30 Jahre als 1. Vorsitzender, von Oberbürgermeister Thomas Geisel im Mendelsohn-Saal verabschiedet.

© Hermann Smeets, Hatto Küffner, Edmund Spohr


Ergänzung:
2017 entsteht die neue Internetpräsenz der AGD, die sich aktuell noch im Aufbau befindet.
Unter der Webadresse www.agd-duesseldorf.de haben die angeschlossenen Vereine zukünftig die Möglichkeit, sich ebenfalls im Internet zu präsentieren.




besucherzaehler-kostenlos.de
bhv-volmerswerth.de