Rheinhochwasser - Die Geschichte des Deichbaus in Volmerswerth

Die Geschichte des Draaps, die nördliche Fortsetzung des Volmerswerther Stadtteils, ist auch eine Geschichte des anhaltenden Kampfes gegen das fast jährlich wiederkehrende Wasser, das Felder und Äcker überschwemmte und ganze Gemüseanbauflächen vernichtete. Eine strömende Flut, die über ein Feld hinweggeht, hinterlässt anders als bei einer Überstauung einen weitaus größeren Schaden. Der fruchtbare Humusboden wird weggeschwemmt; zurück bleibt ein unfruchtbares Ödland, das dann teilweise noch mit Sand und Kies bedeckt wird.

Es ist unzweifelhaft, dass bis ins Altertum die Rhein-Hochwasser fast genauso häufig und ausgedehnt waren wie in heutiger Zeit. Von keinem anderen deutschen Strom liegen mehr geschichtliche Erkenntnisse über Überschwemmungen vor. Bis ins Mittelalter reichen die Aufzeichnungen über Hochwasserkatastrophen. So soll 1254 der Rhein derart angeschwollen gewesen sein, dass die Menschen vor lauter Angst Bäume und Berge erkletterten. Zwischen Neuss und Düsseldorf verließ der Rhein sein Bett und bedrohte die Stadt. Glücklicherweise schwenkte der Strom vor dem Bilker Knie wieder in seinen früheren Lauf ein und bewahrte Düsseldorf vor größerem Schaden. 1486 zerstörte ein Hochwasser das Dorf Niel auf der heutigen Lausward, und auch Volmerswerth verlor durch ein Hochwasser 1590 seine Insellage.

Aus dem Jahr 1573 wird berichtet, dass die Bewohner von Hamm, Bilk, Stoffeln und Volmerswerth bei einer Überflutung des Stoffeler Dammes dermaßen im Wasser saßen, dass sie die Backöfen nicht benutzen konnten. Die Versorgung mit Brot erfolgte vom Hubertushospital aus mit einem von Haus zu Haus fahrenden Nachen (Kahn).

Auch Anfang 1741 wurde Volmerswerth von einem großen Hochwasser heimgesucht. Von den damaligen Einwohnern ist bezeugt worden, „daß allsolche verderbliche waßerüberschwemmung nit allein daß pastoralheus ebenerdiglich beschädigt, sondern auch die pastoral länderey dermaßen theils außgetrieben, theils mit sandt und steinen so hoch überschüttet, daß dieselbe inskünftig nimmermehr zum ackerbau und beybringung der geringsten Früchten werde brauchbar gemacht werden. Sie bestätigen, dass dem Pfarrer durch die Flut die einzige Unterhaltsquelle genommen wurde. Mit diesem Zeugnis bat Pastor Simons den Kurfürsten um Unterstützung. Inwieweit die Petition Erfolg hatte, ist nicht überliefert. Dem in Not geratenen Pfarrer wurde jedoch von den Stiftsdamen von Schwarzrheindorf die jährliche Roggenabgabe erlassen.

Besonders betroffen von den höchsten Rhein-Hochwassern seit Menschengedenken waren in den Jahren 1784 und 1795 (infolge Eisstau) die dicht am Rhein gelegenen Vororte, also auch wieder Volmerswerth. Im Hause Allmendenweg 47 ist noch eine Hochwassermarke über den Rheinhöchststand von 1784 angebracht.

Hochwassermarke im Wohnzimmer der Fam. Gerhards auf dem Allmendenweg 47
Hochwassermarke im Wohnzimmer der Fam. Gerhards auf dem Allmendenweg 47

Der Düsseldorfer Geschichtsschreiber Friedrich Lau vermerkt, dass in der Nacht zum 28.02.1784 der Strom die Dämme bei Himmelgeist durchbrach. Von dort aus ergossen sich die Wassermassen dem Lauf der oberen Düssel folgend bis in die Zitadellstraße. Glücklicherweise brach am Tag darauf der Damm am Heerdther Busch, so dass durch das seitliche Abströmen des Wassers, das bis über die Niederungen von Büderich und Lank hinausging, eine Entlastung Düsseldorfs eintrat.

Über das Hochwasser vom 28.10.1924 bis 28.01.1825 wird berichtet, dass der Strom unterhalb von Benrath das hohe Ufer nächst der Landstraße unterwühlte, diesen Straßendamm zu durchbrechen drohte und so die hinter diesem liegenden niederen Gegenden in höchste Gefahr setzte. Die Bewohner des Dorfes Volmerswerth, welches durch einen Rückstau hart bedrängt wurde, legten in Tag- und Nachtarbeit einen Notdamm an, wodurch größerer Schaden abgewehrt werden konnte.

Vom Hochwasser mit Eisgang des Jahres 1855 ist überliefert, dass die Nacht zum 1. März eine schreckensvolle war. Die Notglocken in Volmerswerth ertönten, nachdem der Rhein auf 7,90 m angestiegen war. Im Laufe des Tages überschwemmte der Rhein den schützenden Damm. Die Ufer und Wege waren mit 7-10 m dicken Eisblöcken und -schollen bedeckt, wodurch einige Häuser einstürzten.

Das „Doppelhochwasser“ von 1882/1883 begann am 08.11.1882 mit einer Flutwelle. In 20 Tagen stieg diese auf 10,93 m an und ebbte dann in 25 Tagen ab. Die zweite Welle, die sich innerhalb von 10 Tagen anschloss, benötigte für den Rücklauf 28 Tage, sodass der Überschwemmungszeitraum von November bis Ende Januar insgesamt 83 Tage betrug. Wie gewohnt wurden die Vororte Flehe, Hamm und Volmerswerth, die noch nicht durch einen Banndeich geschützt waren, überschwemmt. Diese Hochwasser führten zu dem Entschluss, die Schutzanlagen und Deiche auszubauen. Deshalb richteten die nächsten Hochwasser in den Jahren 1919/20 und 1925/26 wesentlich geringere Schäden an, da sich die mit großem Kostenaufwand erstellten Schutzbauten bewährten.

Die Aufzeichnungen seit dem 19. Jahrhundert zeigen, dass ein Hochwasserstand von über 9 m in Düsseldorf hauptsächlich in den Wintermonaten von November bis April auftritt. Deshalb ist ein Sommerhochwasser ein äußerst seltenes Ereignis. Die Hochwassermarke von 8 m ist in dieser Jahreszeit bislang nicht überschritten worden. Über ein Sommerhochwasser, das sich am 25. und 26.07.1758 zugetragen hat, ist durch einen Bewohner von Hamm schriftlich niedergelegt, „daß zu Jacobi und Anna der Rhein sich sehr hoch ergossen habe, daß alles im Feld, der Graswuchs auf den Wiesen und auf dem Ort überschwemmt wurden und Schaden verursacht wurde."

Verlagerung der Rheinrinne
Lageplan der Deiche und - ehemaligen - Deichverbände im Stadtgebiet Düsseldorf.

In Zahlen ausgedrückt wird heute von einem Rhein-Hochwasser gesprochen, wenn am Düsseldorfer Pegel bei steigendem Wasser die Höhe von 7 m überschritten wird.

In Volmerswerth wurden von 1817 bis 1926 die Hochwasserstände vermerkt. So traten in diesem Zeitraum, also vor der Fertigstellung des Banndeiches, der bis heute Volmerswerth wirksam geschützt hat, die folgenden Höchststände auf:

12.03.1819 7,30 m
12.12.1819 8,12 m 09.02.1852 7,02 m
23.01.1820 7,85 m 01.03.1855 8,90 m
06.11.1824 7,85 m 05.02.1862 7,95 m
17.11.1824 8,05 m 12.02.1867 7,55 m
05.03.1827 7,28 m 22.02.1876 7,41 m
20.03.1827 7,02 m 14.03.1876 8,16 m
09.03.1831 7,60 m 05.01.1880 7,53 m
28.12.1833 7,80 m 01.11.1880 7,05 m
05.01.1834 7,78 m 23.12.1880 7,49 m
26.01.1834 7,07 m 28.11.1882 8,95 m
12.12.1836 7,46 m 31.12.1882 8,93 m
20.01.1841 7,20 m 02.01.1883 8,53 m
29.02.1844 8,09 m 02.04.1895 7,27 m
31.03.1845 8,54 m 15.03.1896 7,10 m
29.01.1846 8,02 m 09.02.1897 7,21 m
10.02.1846 8,02 m 31.12.1919 7,87 m
21.02.1847 7,28 m 01.01.1920 8,09 m
05.02.1850 8,66 m 17.01.1920 8,20 m
02.04.1851 7,08 m 02.01.1926 9,10 m

Zwischen 1819 und 1949 wurden an 600 Tagen Wasserstände von mehr als 8 m am Düsseldorfer Rheinpegel gemessen. Über 9 m stieg das Wasser an 190 Tagen, über 10 m an 95 Tagen und an 2,5 Tagen wurden die Höhenmarke von 11 m überschritten.

Wie stark der Wasserstand und die Wasserführung im Rhein schwankten, zeigt die Gegenüberstellung des wasserreichsten Jahres 1824 und dem wasserarmen Jahr 1949. Der Pegel stand 1824 durchschnittlich täglich um 3,45 m höher als 1949, in dem die Wasserwirtschaft große Not litt. Der Unterschied zwischen dem höchsten und tiefsten Wasserstand beträgt mit 10 m die Höhe eines vierstöckigen Hauses.

Quelle: Baum, Heinz / Schneider, Heiner u.a.: insula volmari - Volmerswerth. Düsseldorf-Volmerswerth 11999, Seite 19-21
© Mit freundlicher Genehmigung von Andreas Schneider.


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